Galerie

Georg Nothelfer

Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit

24. Juni bis 2. September 2023 ⟶ Showroom

Installationsansicht von außen. Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht von außen. Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie, aus der Serie: kleinlühen, 2022, Aquarell auf Papier, 18 x 24 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: kleinlühen, 2022, Aquarell auf Papier, 18 x 24 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie, aus der Serie: kleinlühen, 2020, Aquarell auf Papier, 18 × 24 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: kleinlühen, 2020, Aquarell auf Papier, 18 × 24 cm. Courtesy Oliver Thie.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie, aus der Serie: Die, 2019, Ruß, Schellack auf Pergaminpapier, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: Die, 2019, Ruß, Schellack auf Pergaminpapier, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie, aus der Serie: Die, 2019, Ruß, Schellack auf Pergaminpapier, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: Die, 2019, Ruß, Schellack auf Pergaminpapier, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie, aus der Serie: O.T. (Schattenfänger-Methode), 2018, Ruß, Schellack auf Pergamin, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: O.T. (Schattenfänger-Methode), 2018, Ruß, Schellack auf Pergamin, 29,5 x 21 cm. Courtesy Oliver Thie.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer von außen, linke Seite. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer von außen, linke Seite. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Werke aus der Serie: Das Verb lühen, in Großbuchstaben, 2020, Aquarell, Acryl auf Papier, 52,7 x 50,8 cm. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Werke aus der Serie: Das Verb lühen, in Großbuchstaben, 2020, Aquarell, Acryl auf Papier, 52,7 x 50,8 cm. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie, Das Verb lühen, Liste 1, 2020, Aquarell auf Papier, 56 x 76 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, Das Verb lühen, Liste 1, 2020, Aquarell auf Papier, 56 x 76 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie, aus der Serie: Das Verb lühen, in Großbuchstaben, 2020, Aquarell, Acryl auf Papier, 52,7 x 50,8 cm. Courtesy Oliver Thie.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Oliver Thie, aus der Serie: Das Verb lühen, in Großbuchstaben, 2020, Aquarell, Acryl auf Papier, 52,7 x 50,8 cm. Courtesy Oliver Thie.
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Oliver Thie. Schwarzraum / Gelbzeit
Installationsansicht Showroom Galerie Georg Nothelfer. Foto: Gernot Seeliger.
Die Galerie Georg Nothelfer freut sich eine Soloausstellung mit Arbeiten von Oliver Thie im Showroom der Galerie zu präsentieren.
 
Aber der bereichert mich, der mich ganz anderes sehen lässt als das, was ich alltäglich sehe.
Paul Valéry
 
Schwarze Gebilde auf dünnem Pergaminpapier hängen ordentlich aufgereiht nebeneinander. Ihre zarte Konstitution wird dabei nicht nur durch das Papier allein, sondern auch durch den Farbauftrag erzeugt, der wolkenähnlich, mal als kompakte Struktur, mal als feiner Hauch, in Erscheinung tritt. Auf diese Weise entsteht ein Spiel mit dem Licht, das an den dünneren Farbschichten stärker durch das Transparentpapier dringt. Die bewegte, in sich geschlossen wirkende Oberfläche wird bei einigen Blättern durch Linien, Kurven, Punkte oder Striche unterbrochen, deren Sichtbarkeit sich der Auslöschung des wolkigen Untergrundes verdankt.
 
Diese Arbeiten stehen in auffälligem Gegensatz zu anderen Werken der Ausstellung, die gerade durch ihre lichtvolle Helligkeit die Blicke auf sich ziehen. Statt eines schwarz gefärbten aber transluzenten Untergrundes bildet hier eine opak weiße Papieroberfläche die Grundlage für die auf ihr erscheinenden, ausnahmslos in Gelb gehaltenen Zeichnungen, die ihre visuelle Präsenz einem Prozess des Auftragens und nicht des Wegnehmens von Material schulden.
Eine dritte Position nehmen feine, weiße Drahtstrukturen ein. Ihre hellen Schlingen kontrastieren sowohl mit der dunklen Wand, vor der sie zu schweben scheinen, als auch mit dem Schatten, den eine von ihnen an die Fensterscheibe wirft.
 
Was alle Arbeiten in der Ausstellung vereint, ist die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Zeichnung. Dabei steht die Frage, wie man sich der Wahrnehmung von Naturphänomenen über verschiedene Formen der Darstellung annähern kann, im Zentrum der Arbeiten des Künstlers Oliver Thie. Wie zeigt die Zeichnung, das was sie zeigt? Wie finden Erkennen und Erkenntnis in Zeichnungen zueinander? Die beiden Teile des Ausstellungstitels »Schwarzraum/Gelbzeit« sind dabei ebenso als Anspruch des Künstlers an sich selbst, wie als Aufforderung an die Betrachtenden zu verstehen, sich auf ein »Denken mit dem Bild« einzulassen, sie gleichsam als bildphilosophische Fragen zu verstehen.
 
Die Bezeichnung »Schwarzraum« gebraucht Thie als Pendant zum »Weißraum«, der in Zusammenhang mit Zeichnungen oft genannt wird. Darüber hinaus ist es aber weniger das Wortspiel, als die damit verbundene Umkehrung des Blicks, die ihn interessiert: Denn der »Schwarzraum« birgt zugleich das, was Aristoteles als Potentialität des Dunkels bezeichnet hat und dem Licht und dem Erkennen notwendig zur Seite stellte. Bei den Zeichnungen, die sich auf den von Thie mit Ruß präparierten Transparentpapieren finden lassen, handelt es sich daher weniger um Zeichnungen im klassischen Sinn, als um Freilegungen, die aus den Tiefen eines unendlichen Möglichkeitsraumes des Bildes an die Oberfläche kommen. Hierin lässt sich ein wichtiges Merkmal von Zeichnungen überhaupt erkennen: Zeichnungen sprechen uns nicht primär deshalb an, weil sie etwas Konkretes zeigen, sondern weil sie das Zeigen und Erkennen zuallererst ermöglichen.
 
Die Arbeiten zum »Schwarzraum« korrespondieren in der Ausstellung wiederum mit den Werken zur »Gelbzeit«, die im Unterschied zu ersteren immer einen bestimmten Zeitpunkt und hier stets etwas Bestimmtes betreffen, das eben genau an diesem Ort und zu dieser Zeit sichtbar wird. Dieses Etwas, was Thie in den Mittelpunkt stellt, sind Forsythienblüten, deren Aufblühen und Verblühen er als Ausgangspunkt für die Frage nimmt, wie sich Zeitlichkeit mit den Mitteln der Zeichnung sowohl auf-zeichnen lässt und sich dabei zugleich in die Zeichnung als Bedingung ihrer eigenen Erscheinung ein-schreibt.
 
Die Besonderheit von Thies Arbeiten besteht nicht zuletzt in seiner Herangehensweise. Für ihre Umsetzung greift er nicht nur auf klassische Zeichenmittel zurück, sondern erweitert diese durch eigene Materialexperimente: Die schwarzen Gebilde verdanken sich Experimenten mit Ruß, Transparentpapier und einem Tageslichtprojektor. Sie sind dem Versuch geschuldet, die ephemeren Erscheinungen des Schattens unterschiedlicher Herkunft – einmal von dreidimensionalen Objekten wie z.B. Steinen, einmal von Diaprojektionen – ›einzufangen‹.
 
Dem Phänomen der Zeit, das dem Aufblühen und Verblühen gleichermaßen zugrunde liegt, nähert er sich über verschiedene Vorkehrungen und Techniken an. Um der ›Falle‹ der Repräsentation zu entgehen, konzentriert er sich beim Zeichnen ausschließlich auf das Objekt und nicht auf die registrierende Tätigkeit seiner Hand, die das Gesehene ›blind‹ aufs Papier bringt. Die so entstandenen ›Blindzeichnungen‹ werden anschließend einem mehrstufigen Überarbeitungsprozess unterworfen. So wird die Zeichnung einer gerade aufgegangenen Blüte zunächst in Aquarellfarbe umgesetzt, anschließend jedoch mit weißer Acrylfarbe wieder gelöscht, um diese erneut mit Aquarellfarbe zu übermalen, diesmal allerdings unter Rekurs auf die Blindzeichnungen der verwelkten Blüten. Auf diese Weise lagern sich nicht nur unterschiedliche Zeitschichten im Blatt ein, sondern jede Schicht bildet auch die Grundlage für die Aktualisierung des Sichtbaren.
 
Seine Drahtobjekte – dreidimensionale Nachformungen von Blindzeichnungen – bilden wiederum eine sichtbare Brücke zwischen den Auseinandersetzungen mit der Zeichnung als Zeit- und als Raumkunst. Indem der gebogene Draht die Linie der Zeichnung aufnimmt und sie so verräumlicht, macht er auf ihre zeitlichen Entstehungsbedingungen – Anfang und Ende, Vorher und Nachher – aufmerksam. Der Kreis schließt sich mit einem Versuchsaufbau am großen Fenster der Galerie. Ein Drahtobjekt wirft seinen Schatten an die Scheibe zur Straße und verweist auf die ihr zugrundeliegende Blindzeichnung in Form eines Schattens zurück. Thie veranschaulicht so die Durchdringung von Raum und Zeit als Bedingung und Ermöglichungsgrund des Zeichnens. (Kathrin Mira Amelung)
 
Oliver Thie (*1983) studierte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und schloss 2015 als Meisterschüler von Prof. Nanne Meyer ab. In den letzten Jahren hatte er Einzelausstellungen im Museum für Naturkunde, Berlin, im Tieranatomischen Theater, Berlin, und im HAUNT, Berlin. Er erhielt ein DAAD Stipendium für die USA, war Forschungsstipendiat des Exzellenzcluster Bild, Wissen, Gestaltung an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist 2023 Residenzstipendiat im Künstlerhaus Eisenhammer.

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