Follow the White Rabbit. Groupshow
5. September bis 31. Oktober 2026 ⟶ Galerie Georg Nothelfer
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Gisbert Pöppler, CHERRY ALUMINIUM DINING TABLE, Aluminium; 74 x 180 x 180 cm, Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, CHERRY ALUMINIUM DINING TABLE, Aluminium; 74 x 180 x 180 cm, Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
K. R. H. Sonderborg, o. T., 1971, Acryl auf Leinwand, 129 x 80 cm
K. R. H. Sonderborg, o. T., 1971, Acryl auf Leinwand, 129 x 80 cm
Gisbert Pöppler, DADI CASHMERE PLAID, Kaschmir, 210 x 130 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, DADI CASHMERE PLAID, Kaschmir, 210 x 130 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Gisbert Pöppler, CORRESPONDENCE CONSOLE , Holz (Esche), Lack , 91,5 x 250 x 28 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, CORRESPONDENCE CONSOLE , Holz (Esche), Lack , 91,5 x 250 x 28 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Stöhrer, 1981, Gouache, 70 x 100 cm. Foto: Katrin Rother
Stöhrer, 1981, Gouache, 70 x 100 cm. Foto: Katrin Rother
K.R.H. Sonderborg, 1985, Tusche, Papier, 76 x 56cm. Courtesy Galerie Georg Nothelfer
K.R.H. Sonderborg, 1985, Tusche, Papier, 76 x 56cm. Courtesy Galerie Georg Nothelfer
Stöhrer, 1962, Mischtechnik, Papier, 31,5 x 45 cm. Foto: Katrin Rother
Stöhrer, 1962, Mischtechnik, Papier, 31,5 x 45 cm. Foto: Katrin Rother
Stöhrer, 1977, Tusche, Papier, 29,7 x 21 cm. Foto: Katrin Rother
Stöhrer, 1977, Tusche, Papier, 29,7 x 21 cm. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
MK Kaehne, Koffer Pissoir, Waschbecken, Detail. Foto: Jiří Žižka
MK Kaehne, Koffer Pissoir, Waschbecken, Detail. Foto: Jiří Žižka
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
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MK Kaehne, Things we don't know, 2024, Tinte, Pigmentdruck, 65 x 40 cm (gerahmt: 90,5 x 59 cm)
MK Kaehne, Things we don't know, 2024, Tinte, Pigmentdruck, 65 x 40 cm (gerahmt: 90,5 x 59 cm)
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Gisbert Pöppler, BABA ARMCHAIR, Holz (Teak), Textil, 74 x 115 x 93 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, BABA ARMCHAIR, Holz (Teak), Textil, 74 x 115 x 93 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Walter Stöhrer, Gesicht des Vergessens, 1996, Mischtechnik, Collage, Leinwand, 250 x 180 cm
Walter Stöhrer, Gesicht des Vergessens, 1996, Mischtechnik, Collage, Leinwand, 250 x 180 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Gisbert Pöppler, WALKER LACQUERED WHISKEYTABLE, lackiertes Holz und Stahl, 59 x 16 x 16 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, WALKER LACQUERED WHISKEYTABLE, lackiertes Holz und Stahl, 59 x 16 x 16 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
KRH Sonderborg, OT, 1991, Tusche / Papier, 36 x 26 cm
KRH Sonderborg, OT, 1991, Tusche / Papier, 36 x 26 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Gisbert Pöppler, BELENUS 137 DINING TABLE, ab 2010, hochglanzlackiertes Holz und gebleichte Esche, 75 x 137 x 90 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, BELENUS 137 DINING TABLE, ab 2010, hochglanzlackiertes Holz und gebleichte Esche, 75 x 137 x 90 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, BELENUS 137 DINING TABLE, ab 2010, hochglanzlackiertes Holz und gebleichte Esche, 75 x 137 x 90 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Gisbert Pöppler, BELENUS 137 DINING TABLE, ab 2010, hochglanzlackiertes Holz und gebleichte Esche, 75 x 137 x 90 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Ragnar Schmuck
Walter Stöhrer, Gefährlich ist es für die Spielpartner, gemeinsam am Ort ihrer Erkenntnis zu verweilen, Sinalunga 1981, Mischtechnik, Collage auf Leinwand, 210 x 250 cm
Walter Stöhrer, Gefährlich ist es für die Spielpartner, gemeinsam am Ort ihrer Erkenntnis zu verweilen, Sinalunga 1981, Mischtechnik, Collage auf Leinwand, 210 x 250 cm
Heike Buchfelder, ICED, 2022, Weißglas, 47 x 52 x 53 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Jan Peter Sonntag
Heike Buchfelder, ICED, 2022, Weißglas, 47 x 52 x 53 cm. Courtesy of the Artist, Foto: Jan Peter Sonntag
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Ausstellungsansicht. Foto: Angelina Kalachenkova
Walter Stöhrer, Black and go I, 1981, Mischtechnik/Leinwand, 200 x 260 cm
Walter Stöhrer, Black and go I, 1981, Mischtechnik/Leinwand, 200 x 260 cm
Eröffnung: Fr, 4. September, 18 - 21 Uhr
Führung durch die Ausstellung: So, 13. September, 14 Uhr
Sonderöffnungszeiten zur BERLIN ART WEEK:
Führung durch die Ausstellung: So, 13. September, 14 Uhr
Sonderöffnungszeiten zur BERLIN ART WEEK:
Fr, 11. September, 12 – 21 Uhr
Sa, 12. September, 11 – 18 Uhr
So, 13. September, 11 – 18 Uhr
Nicht nur Alice folgte dem weißen Kaninchen...
Dieses erzählerische Bild ist mittlerweile generationsübergreifend vor allem im popkulturellen Gedächtnis verankert und steht als Metapher für unterschiedliche Wege ins Unbekannte. Rufen wir uns die Bilder in Erinnerung, die beim Lesen des Romans „Alice im Wunderland” von Lewis Carroll entstanden sind, oder die aus den zumeist filmischen Adaptionen, so führen sie uns wieder in fantastische Welten. Beim Lesen greift unser Verstand auf eigene Erfahrungen und Assoziationen zurück, um die beschriebenen Szenen, Handlungen und Figuren wie in einem Film zu visualisieren. Dies erfordert eine aktive kognitive Leistung, die nicht nur die Identifikation mit dem Gelesenen erhöht, sondern auch dafür sorgt, dass Informationen bzw. Geschichten wesentlich länger im Gedächtnis gespeichert werden. Dabei ging es dem Autor mehr um einen Perspektivwechsel als um eine Bewusstseinserweiterung. Dieser Vorstellung folgend, erkundet die Ausstellung “Follow the White Rabbit“ über eine surreale Anordnung unsere Wahrnehmungserfahrung. Dabei wird nicht ins Bodenlose verführt, sondern vermeintlich abgründige Formen neu interpretiert. An der Schnittstelle von (Functional) Art und (Collectible) Design öffnet sie einen Raum dazwischen. (Um)gestaltete Objekte gibt es spätestens seit Meret Oppenheim, die die Anwendbarkeit eines Produkts infrage stellte. In ihrer surrealistischen Schaffensphase im Jahr 1936 bezog sie eine Teetasse samt Löffel und Untertasse mit Pelz. Auf die Frage des Autors Alain Jouffroy „Bist Du Alice im Wunderland?“ antwortete sie: „Nein. Ich bin der Spiegel.“ 1
Heute sind auch Designer:innen zunehmend freier und entwickeln ungezwungen hybride Konzepte. Im Fokus steht die Experimentierfreudigkeit. Gemeinsame Arbeitsmethoden mit Künstler:innen finden sich beispielsweise bei der Materialforschung. Es sind die Materialien, deren Farben und Oberflächen oder der Herstellungsprozess selbst all dieser zumeist handwerklichen Kunstformen, in denen Geschichten gespeichert sind – detailverliebte Geschichten, die eine Verbindung zu uns Menschen herstellen. Deshalb präsentieren Museen und Galerien zunehmend raumgreifende Installationen, die Design, Architektur und Kunst vereinen. Welche Aufgabe haben Design und Kunst heute? Welche Funktionen sind bereits an den Rand von Lifestyle und Gebrauch gestellt, um sie an neuen Orten aufzustellen, die sonst von der Kunst belebt werden – Kunst, die sich bisher selbst genügte? Funktioniert sie noch ohne diese ihr zugeschriebene Aussage? In der Tradition einer inzwischen ihre eigenen Bedingungen hinterfragenden Kunst, die die Beziehung zwischen Form, Material und Bedeutung auf unterschiedliche Weise erkundet, eher nicht. Bereits Duchamp und später Warhol erklärten Alltagsgegenstände und Produktgestaltung schlicht zu Kunst. Im Kontext des Collectible Designs entwickeln sich zunehmend konzeptuell-gestalterische Formen und Narrative, die sich ebenfalls einem Critical Design zuordnen lassen. Darunter finden sich Objekte, die nicht primär für den alltäglichen Gebrauch gedacht sind. Sie eröffnen kritische Denkräume, in denen gegenwärtige gesellschaftliche Zustände hinterfragt werden – oder, wie bereits bei Carroll, Perspektiven geschaffen werden, um sie zu überwinden.
In der Schau “Follow the White Rabbit“ spiegeln sich in der Tischfläche von Gisbert Pöppler nicht nur der Raum, sondern auch die Bewegungen aus der Zeichnung von K.R.H. Sonderborg wider. Sie bilden optische Spuren auf der Oberfläche des silbermetallischen Bildträgers – ein Verweis auf die spätere Veränderung des Materials durch die individuelle, alltägliche Nutzung. Die gestischen Handlungen reflektieren bewusst und unbewusst den abstrakten Expressionismus oder das europäische Informel. Auch die gefaltete Stehleuchte von Heike Buchfelder besinnt sich auf Gestaltungsmittel vor allem in der abstrakten Malerei, der konkreten Kunst und der Op-Art. Sie nutzt diese, um Rhythmus, Tiefe, Lichteffekte oder die reine Wirkung von Farben zu inszenieren. Selbstbewusst erzeugen sie im Widerschein eine eigene Aura.
Die kühl-distanzierte Ästhetik ihrer Glasobjekte erinnert nur auf den ersten Blick an die Abstraktionen in der Minimal Art. Mit ihrer emotionalen Freiheit laden sie zum Einverleiben ein.
Die Dinge von Gisbert Pöppler entstehen aus einer spielerischen Begeisterung für Farbe und geometrische Formen. In einer neuen, fast surreal anmutenden Figuration entfalten die explosiven Farbkompositionen von Walter Stöhrer in Kombination mit seiner metallic-blauen Konstruktion eine radikalere Materialität und gestische Emotionalität. Die offen-geschlossene und zugleich verbindende Formfindung flirtet in Gedanken beinah mit dem Rohmaterial, das beispielsweise in der Automobilindustrie weiterverarbeitet wird. Dazu gesellen sich die präzisen bildhauerischen “Produkte“ von MK Kaehne. In exklusiver Formfindung und gleichzeitig humorvoller Art verhandeln sie avantgardistische Tendenzen der Moderne neu.
Während sich Design traditionell auf Funktion und Ästhetik konzentrierte und zeitgenössische Kunst auf Konzepte und kritische Reflexion, entstehen an ihrer Schnittstelle auch unerwartet absurd wirkende funktionale Objekte. Auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen, wie seinerzeit im Wunderland des weißen Hasen, regen sie zum Umdenken an und zelebrieren die Freude an einzigartigen Dingen im Leben und in der Kunst - oder wie jetzt in der Galerie Nothelfer im noch Unbekannten Neues zu finden...
Text: Harald F. Theiss
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1 vgl. Isabel Schulz, Edelfuchs im Morgenrot, Studien zum Werk von Meret Oppenheim, Verlag Silke Schreiber, München 1993