Shifting Signs
25. April bis 6. Juni 2026 ⟶ Galerie Georg Nothelfer
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
László Lakner, Duchamp, 1983, Öl auf Leinwand, 195 x 175 cm
László Lakner, Duchamp, 1983, Öl auf Leinwand, 195 x 175 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
László Lakner, After Marcel - After the Large Glass, 1979, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm
László Lakner, After Marcel - After the Large Glass, 1979, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Stella Geppert, Schneeliege, 2026, Silikon auf Leinen, 195 x 75 / 260 x 100 x 35 cm (inkl. Gerüst)
Stella Geppert, Schneeliege, 2026, Silikon auf Leinen, 195 x 75 / 260 x 100 x 35 cm (inkl. Gerüst)
Stella Geppert, ÉGALITÉ - Dreh der Libellen 1 x 12
2011, 12 Holzstangen, 12 Wasserwaagenlibellen aus
Glas, Lack , diverse Größen: L: 80 - 120 cm / B: 5 cm - 7 cm / T: 2 cm x 3 cm. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Stella Geppert, ÉGALITÉ - Dreh der Libellen 1 x 12
2011, 12 Holzstangen, 12 Wasserwaagenlibellen aus
Glas, Lack , diverse Größen: L: 80 - 120 cm / B: 5 cm - 7 cm / T: 2 cm x 3 cm. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Jenny Michel, Lunatic Landscape- SE-GHT, 2026, Tiefdruckfarbe auf versch. Papieren, Acrylleim auf Leinwand, 180 x 120 cm. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Jenny Michel, Lunatic Landscape- SE-GHT, 2026, Tiefdruckfarbe auf versch. Papieren, Acrylleim auf Leinwand, 180 x 120 cm. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Jenny Michel, Semiosphere #1, 2026, Tiefdruckfarbe, Kopie, gefundene Materialien auf verschiedenen Papieren, Acrylleim auf Leinwand, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Semiosphere #1, 2026, Tiefdruckfarbe, Kopie, gefundene Materialien auf verschiedenen Papieren, Acrylleim auf Leinwand, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Paradise Vehicle in Decay #1 (Moon Capsule), 2015,
Mischtechnik, 125 x 85 x 75 cm
Mischtechnik, 125 x 85 x 75 cm
Jenny Michel, Paradise Vehicle in Decay #1 (Moon Capsule), 2015,
Mischtechnik, 125 x 85 x 75 cm
Mischtechnik, 125 x 85 x 75 cm
Austellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Austellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Jenny Michel, Lunatic Landscape Gration, 2026, Mischtechnik,
130 x 170 cm
130 x 170 cm
Jenny Michel, Lunatic Landscape Gration, 2026, Mischtechnik,
130 x 170 cm
130 x 170 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs#2, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs#2, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs#1, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs#1, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs #3, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Jenny Michel, Plant demiurgi signs #3, 2023, Mischtechnik, 70 x 50 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Elmira Iravanizad, Day 4, 2025 Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm
Elmira Iravanizad, Day 4, 2025 Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm
Elmira Iravanizad, Day 2, 2025, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm
Elmira Iravanizad, Day 2, 2025, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm
Elmira Iravanizad, Object No. 65, 2023, Metall und Holz, 8 x 16 x 40 cm
Elmira Iravanizad, Object No. 65, 2023, Metall und Holz, 8 x 16 x 40 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
László Lakner, Livre Imaginaire, 1991, Buchobjekt, 25,5 x 38,5 x 2 cm
László Lakner, Livre Imaginaire, 1991, Buchobjekt, 25,5 x 38,5 x 2 cm
László Lakner, Paul Cézanne Briefentwurf, 1976, Acryl auf Leinwand , 200 x 150 cm. Courtesy Galerie Nothelfer:
László Lakner, Paul Cézanne Briefentwurf, 1976, Acryl auf Leinwand , 200 x 150 cm. Courtesy Galerie Nothelfer:
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Stella Geppert, Constitutions of the bodies (Seaside drawings), 2022, Mischtechnik, 200 x 100 cm
Stella Geppert, Constitutions of the bodies (Seaside drawings), 2022, Mischtechnik, 200 x 100 cm
Stella Geppert, Earthphone, 2025/2026, Graphit, 16 x 8 x 6,5 cm
Stella Geppert, Earthphone, 2025/2026, Graphit, 16 x 8 x 6,5 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Stella Geppert, Tiger Lungs, 2024, Kohle auf Leinwand, 35 x 35 cm VERKAUFT
Stella Geppert, Tiger Lungs, 2024, Kohle auf Leinwand, 35 x 35 cm VERKAUFT
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Adochi, Leichte Erde I, 1986, Leimfarbe auf Leinwand, 175 x 155 cm
Adochi, Leichte Erde I, 1986, Leimfarbe auf Leinwand, 175 x 155 cm
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Adochi, Lerba, 1986, Mischtechnik auf Holz, 178 x 19 x 6 cm
Adochi, Lerba, 1986, Mischtechnik auf Holz, 178 x 19 x 6 cm
Adochi, O.T. (Fragment), 1986, Sandstein, 42 x 18 x 10 cm. Courtesy Galerie Nothelfer
Adochi, O.T. (Fragment), 1986, Sandstein, 42 x 18 x 10 cm. Courtesy Galerie Nothelfer
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto: Katrin Rother
Adochi, Aus dem Tief Unten, 1986, Leimfarbe Leinwand, 175 x 155 cm
Adochi, Aus dem Tief Unten, 1986, Leimfarbe Leinwand, 175 x 155 cm
Adochi, O.T., 1986, Leimfarbe auf Leinwand, 175 x 155 cm
Adochi, O.T., 1986, Leimfarbe auf Leinwand, 175 x 155 cm
Ausstellungsansicht. Foto. Katrin Rother
Ausstellungsansicht. Foto. Katrin Rother
Adochi, Mioritische Form, 1988, Leimfarbe auf Leinwand, 100 x 80 cm
Adochi, Mioritische Form, 1988, Leimfarbe auf Leinwand, 100 x 80 cm
Stella Geppert, Tierpark Berlin, 2026, Farbfotografie. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Stella Geppert, Tierpark Berlin, 2026, Farbfotografie. Courtesy die Künstlerin und Galerie Nothelfer
Laufzeit: 25. April - 6. Juni 2026
Eröffnung: 24. April, 18 - 21 Uhr
Künstler:innen Talk: 2. Mai, 14 Uhr
Öffnungszeiten:
Mi-Fr, 12 - 19 Uhr
Sa, 12 - 18 Uhr
Besondere Öffnungszeiten während des Gallery Weekend Berlin:
Fr, 1. Mai, 12 - 21 Uhr
Sa, 2. Mai + So, 3. Mai, 11 - 18 Uhr
Eröffnung: 24. April, 18 - 21 Uhr
Künstler:innen Talk: 2. Mai, 14 Uhr
Öffnungszeiten:
Mi-Fr, 12 - 19 Uhr
Sa, 12 - 18 Uhr
Besondere Öffnungszeiten während des Gallery Weekend Berlin:
Fr, 1. Mai, 12 - 21 Uhr
Sa, 2. Mai + So, 3. Mai, 11 - 18 Uhr
Erschien dem Dichter im 19. Jahrhundert der Gang durch die Welt noch als einer durch dunkle „Wälder von Symbolen“ (Charles Baudelaire), hat die Linguistik und Semiotik des 20. Jahrhunderts diese Wälder gründlich ausgeleuchtet und durchkämmt, geordnet und klassifiziert, und dabei mit der Vorstellung urwüchsiger, natürlicher Bedeutungen aufgeräumt. Das „Dickicht der Zeichen“ (Aleida Assmann), das uns umgibt, erweist sich in diesem Lichte als komplexes „Netzwerk von Zeichensystemen“ (Umberto Eco) und unsere alltägliche Lebenspraxis als eine kulturell kodierte und internalisierte bzw. inkorporierte Zeichenpraxis.
Doch nicht nur wir bewegen uns in einer Welt aus Zeichen, die Zeichen selbst sind konstitutiv beweglich. Sie erhalten ihre Bedeutung erst als Effekte von Differenzierungen, Verweisungen und fortwährenden Verschiebungen. In diesen dynamischen Differenzierungsstrukturen sind Zeichensysteme allenfalls metastabil, ihre Ordnung ist bloß eine temporäre, veränderliche und damit immer auch prekäre. Neue Zeichen tauchen auf und verändern die Bedeutung der alten, andere verschwinden, kulturelle Codes können verlorengehen oder überschrieben werden und ganze Zeichensysteme damit unlesbar werden.
In der globalisierten und digitalisierten Alltagswelt unserer Gegenwart lässt sich die Beweglichkeit der Zeichen in einem fortwährenden und beschleunigten Zeichentransfer beobachten: zwischen verschiedenen (analogen und digitalen) Medien, zwischen Kulturen und deren unterschiedlich codierten Zeichensystemen und Zeichenpraktiken, zwischen den digital verfügbaren Archiven historischer Zeichenproduktion und der Imagination zukünftiger Zeichen, sowie zwischen sichtbaren und unsichtbaren Zeichensystemen – etwa dem Interface unserer digitalen Text-Bild-Welt und den sie generierenden Codes.
Auch die Kunst nimmt Teil an diesem Zeichentransfer: Die Ausstellung Shifting Signs präsentiert mit Adochi (*1954), Stella Geppert (*1967), Elmira Iravanizad (*1987), László Lakner (*1936) und Jenny Michel (*1975) fünf künstlerische Positionen unterschiedlicher Generationen, deren Werke sich auf je verschiedene Weise mit Zeichensystemen und deren dynamischen Verschiebungsprozessen befassen. In ihrem explorativen Charakter folgen die gezeigten Arbeiten der Ausstellung den Bewegungen der Zeichen durch die Zeiten, Medien, Kulturen und Praktiken, verzeichnen sie, reflektieren sie und machen sie im Entwurf neuer Zeichengefüge produktiv.
Im Zentrum der künstlerischen Praxis von László Lakner stehen Übertragungen zwischen den fundamentalen Zeichensystemen ‚Schrift‘ und ‚Bild‘. Vor allem die Handschrift ist dabei das Medium von Grenzgängen: Einerseits kann ihr individueller Zug so dominant werden, dass das Funktionieren als Zeichen gestört ist, nur mehr eine Kritzelei, eine idiosynkratische Gestenschrift bleibt, die von der
Bewegung einer ‚linkischen‘ Hand (Roland Barthes) zeugt. Andererseits hinterfragt Lakner ihren Signaturcharakter durch die appropriative Übertragung fremder Handschriften, zumeist von Künstlern und Literaten (Celan, Klee, Cézanne u.a.), in das eigene Bild und macht durch die Verschiebung des Kontextes zugleich deren genuine Schriftbildlichkeit ansichtig.
Auch Stella Geppert fokussiert in ihren Arbeiten die körperlich-gestische Dimension der Zeichenproduktion als einen performativen Akt. Die körperliche und verkörperte Hervorbringung von Zeichen zeigt sich etwa in ihren performativ entstehenden Zeichnungen, die die gestische Kommunikation der Beteiligten als Kohlespuren auf großformatigen Papierbögen verzeichnet. Wird so die Bildbetrachtung zum Nachvollzug der graphischen Spuren, lässt die Künstlerin in ihrer jüngsten Intervention im Stadtraum, bei der sie mit dem Abguss einer Leopardentatze Spuren setzt, die Menschen die archaische Praxis des Fährtenlesens wiederaufnehmen, versetzt sie in Bewegung und führt sie dabei im Großstadtdschungel zugleich auf eine falsche wie auf die richtige Fährte.
Weder lineare Schrift noch gestische Spur scheinen die rätselhaften Formen zu sein, die sich in einer palimpsestartigen, wie collagiert wirkenden Überlagerung auf den Gemälden von Adochi finden, wo sie in ihrer farblichen Differenzierung einen komplexen Bildraum erzeugen und zugleich als einzelne, distinkte Zeichen auf Unbekanntes verweisen. Doch um welche Art von Zeichen handelt es sich? Um archaische Symbole, um technische Piktogramme, um mathematische Operatoren oder schlicht um Ornamente, womöglich inspiriert von der Volkskunst seiner rumänischen Heimat? Diese Fragen und die fortwährenden Entzifferungsversuche in der Bildbetrachtung führen ohne Aussicht auf Auflösung nur immer tiefer in das Räderwerk der Bilder, die ihren eigenen opaken Zeichenkosmos entwerfen.
Die Collagen und Plastiken von Elmira Iravanizad erscheinen auf den ersten Blick ebenfalls verschlossen mit ihren fragmentierten Formen, die teils wie Fundstücke archäologischer Ausgrabungen teils wie rätselhafte Hybride zwischen Monument und Gebrauchsgegenstand wirken. Als stumme Zeugen verweisen die Fragmente auf den Verlust eines Zusammenhangs, lassen sich aber zugleich, befreit aus ihrem ursprünglichen Gefüge, als Bausteine neuer Zeichensysteme auffassen. So sammelt Iravanizad in ihren Collagen Überbleibsel von Papierarbeiten, kleine Schnipsel, archiviert sie und erzeugt durch die Anordnung in einem Zeilensystem neue Relationen und damit neue Möglichkeiten der Bedeutung. Und auch ihre Objekte werfen die Frage nach einem ursprünglichen Bedeutungs- und Funktionszusammenhang ebenso auf wie die nach Möglichkeiten einer neuen Verwendung.
Die Fragilität von Zeichensystemen und deren Überlagerungen stehen schließlich auch im Fokus der Arbeiten von Jenny Michel. Das komplexe Netzwerk heterogener Zeichensysteme, das unsere Welt überzieht und damit zugleich erst erzeugt, verdichtet sie in einzelnen Bildern und Installationen zu Palimpsesten: Schaltpläne und Karten, Platinen und Drähte, botanische Illustrationen, komplexe Zellstrukturen, Analoges und Digitales, Organisches und Technisches, all dies und mehr scheint sich hier wie Sedimentschichten zu überlagern. Im Sinne einer spekulativen Archäologie der Zukunft eröffnen ihre Arbeiten so die Möglichkeit eines Nachdenkens darüber, was von den Zeichen unserer Gegenwart bleiben wird, welche zukünftigen Überreste, welche kryptischen Fragmente und Ruinen wir hinterlassen werden.
(Text: Justus Beyerling)